
Beim Joggen, sagt Ayman Tahiri Tay Tay, bekommt er den Kopf frei – und beginnt, über die Welt nachzudenken. Als Stadtteilbotschafter in Eckenheim will er nun auch anderen nahebringen, dass Sport und Philosophie wunderbar zusammenpassen
Vor dem Joggen steht für Aiman Tahiri Tay Tay (18) das Dehnen auf dem Programm. Beim Sport kommt der Gymnasiast zur Ruhe, findet zu sich selbst. “Sonst bleibt wenig Zeit, über Probleme des Alltags nachzudenken. Beim Laufen aber wird der Kopf frei. Automatisch geht einem durch den Kopf, wie man dieses oder jenes Problem angehen kann.“ Auch über die Welt, ob man nicht hier und da etwas ändern müsste, denke Tahiri Tay Tay beim Laufen nach. “Themen der Alltagsphilosophie sind das, keine abgehoben theoretisch-philosophischen Gedanken.“ Als Stadtteilbotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Eckenheim verbindet er Sport und Philosophie – um gemeinsam mit anderen zu „Sportsophieren“.
Sport plus Philosophie
Das Wort ist eine Kombination aus Sport und philosophieren. “Zunächst organisiere ich eine Vortragsreihe zu philosophischen Themen.“ Nicht hochtheoretisch, sondern verständliche Alltagsphilosophie. “Den ersten Vortrag werde ich wohl selbst halten, um meine Idee zu erläutern und zu erklären, was ich mich Sportosophie meine. “Die Vorträge finden im Winter statt.“ Dafür böten sich vor allem ethische Themen an. “Die Philosophie gibt ja auch Anweisungen, wie man verantwortungsvoll handelt.“
Am Sonntag den 12 Juni 2016 soll zum Abschluss ein Stadtteillauf, u.a. mit Unterstützung des SV Viktoria Preußen 07 e.V. Ffm. sowie Ortsvorsteher Robert Lange Ortsbeirat 10 , unter dem Motto “Sportsophieren“ durchgeführt werden.. Dann geht es in Gruppen von Eckenheim hinaus ins Grüne. “Es wird verscheidene Themen/Fragen geben, über die die Teilnehmer während des Laufens nachdenken. Zum Schluss sprechen wir darüber, was wem durch den Kopf gegangen ist.“ Durch den Austausch bekomme jeder Teilnehmer noch einmal einen anderen Blick und zusätzliche Inspirationen.
Geboren ist Tahiri Tay Tay in Melilla, einer spanischen Exklave im Osten Marokkos. “Über Spanien kam meine Familie nach Frankfurt.“ Zur Grundschule ging er in Nied, heute besucht er die zwölfte Klasse des Max-Beckmann-Oberstufengymnasiums in Bockenheim. Seit zehn Jahren lebt die Familie in Eckenheim.
Seit vier Jahren treibt Ayman Tahiri Tay Tay intensiv Sport, vor allem Thai Boxen und Jiu Jitsu, oder geht ins Fitnessstudio. „Ich trainiere Selbstverteidigung, halte mich fit.“ Beim Sport könne man auch lernen, den Alltag besser zu bewältigen. „Wenn man eine sportliche Herausforderung meistert, entwickelt man einen starken Willen. Das hilft im täglichen Leben.“ Übertreiben dürfe man seinen Sport aber nicht.
Mit zwölf Jahren habe er begonnen, sich selbst zu fragen, was richtig und falsch ist, wie die Lage der Welt ist – und was man daran ändern müsste, erzählt Ayman Tahiri Tay Tay. „Ich bin ein eher skeptischer Mensch und denke lange über etwas nach, bevor ich mir eine Meinung bilde.“ Viele Leute seien zu vorschnell mit ihren Ansichten, ließen sich leicht beeinflussen. ”Dabei sollte man nicht voreilig handeln.“
Tolle Art zu argumentieren
In der Schule habe er die klassische Philosophie kennengelernt, Platon etwa oder Aristoteles. “Interessant finde ich etwa, wie Sokrates seine Argumentationen aufbaut.“ Zurzeit liest er Texte des deutschen Philosophen aus dem 18. Jahrhundert, Immanuel Kant. “Zwischen den verschiedenen Denkern gibt es große Unterschiede.“ Nicht alles, was er lese, mache er sich zu eigen. An Traditionen kritiklos festzuhalten, hält er für falsch. “Die Welt verändert sich ja. Wie kann man etwas, das seit 1000 Jahren als richtig gilt, da nicht hinterfragen?“ Oft sei die Philosophie zu abgehoben, zu akademisch. “Sie sollte sich mit zeitgenössischen Themen oder Fragen der Zukunft beschäftigen, etwa wie wir unsere Wirtschaft und Belange des Umweltschutzes miteinander vereinbaren.“
Quelle FNP (hau)


