
Nach dem deutlichen Ausgang des Bürgerentscheids zugunsten der DFB-Akademie auf dem Gelände der Galopprennbahn in Niederrad will der Rennklub bei einer Vorstandssitzung über das weitere Vorgehen beraten. Der Magistrat der Stadt will die Geschäftsbeziehungen mit den Rennsportfreunden „in guter Weise“ beenden.
Drohen nach der Niederlage der Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ nun langwierige juristische Auseinandersetzungen mit dem Rennklub? Nein, diese Befürchtung hegen Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) sowie Sportdezernent Markus Frank (CDU) nicht. Sie wollen bestehende Vertragsbeziehungen im Einvernehmen mit den Partnern lösen.
Heute Abend trifft sich der Vorstand des Rennklubs, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Spielraum für neue Verhandlungen sehen Cunitz und Frank nicht. Dem von Rennklub-Präsident Manfred Louven am Wahlabend geäußerten Ansinnen, einen Runden Tisch einzurichten, um doch noch zu einem Kompromiss zu kommen, erteilten führende Stadtpolitiker unisono eine Absage. Eine Ko-Existenz von DFB und Rennbahn sei auf dem Gelände nicht möglich. „Was Herr Louven will, ist physikalisch nicht möglich und außerdem entschieden“, sagte Sportdezernent Frank.
Ideen für Bürgerpark gesucht
Auch die Drohung des früheren Mitbesitzers der Anlage, Manfred Hellwig, die Übertragung seines 49-prozentigen Anteils an die Stadt wieder rückgängig zu machen, beeindruckte Cunitz und Frank nicht: Als Mehrheitseigner bleibe die Stadt Herrin des Verfahrens. Bei einer Rückabwicklung würde Hellwig „ein gutes Stück Geld ärmer“.
Der Betreiber einer Neun-Loch-Golfanlage auf dem Rennbahn-Areal fordert Schadensersatz; die Rede ist von 1,5 Millionen Euro. Auch hier zeigte sich Bürgermeister Cunitz zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommt. Denn: „Bei einer rechtlichen Auseinandersetzung steht er unter Umständen mit leeren Händen da.“
Cunitz ist überzeugt, dass bei den Beteiligten diese Einsicht wachsen werde, schließlich handele es sich „um keine komplizierten juristischen Fragestellungen. Die Freude, einmal die Stadt geärgert zu haben, ist gering.“
Nun soll es schnell gehen. Bereits zum 1. Januar 2016 soll bereits ein Teil des 15 Hektar großen Areals plus einer Erweiterungsfläche von fünf Hektar ohne einschränkende Rechte Dritter von der Stadt Frankfurt an den DFB übergeben werden. Im Spätherbst soll der Bebauungsplan offengelegt werden. Der DFB will 2016 mit dem Bau des 89 Millionen Euro teuren Projekt beginnen, 2018 soll es fertig sein. Daneben soll auch ein 9,4 Hektar großer Bürgerpark mit Freizeit- und Erholungsangeboten entstehen. Dafür gebe es noch kein Konzept, so Cunitz. Im Herbst sei ein Ideen-Workshop geplant. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) lud auch die Initiative „Pro Rennbahn“ ein, sich zu beteiligen. Dies hatte die Sprecherin Rebekka Unrath angekündigt und gestern noch einmal bekräftigt.
Grundsätzlich ist die Stadt zufrieden mit dem ersten Bürgerentscheid, allerdings müsse es künftig Spielregeln für Kampagnen geben, sagte Frank. Die Stadt hatte sich unter anderem an der flächendeckenden Plakatierung der Rennbahn-Befürworter gestoßen. Anders als Parteien im Wahlkampf habe die Initiative ihre Geldquellen nicht offenlegen müssen. Wie Cunitz und Frank erklärten, stammten sämtliche hohen Geldbeträge für die Rennbahn-Kampagne nicht von Frankfurter Geldgebern. „Ich habe mich manchmal gewundert, dass sich die Partei der Rennsportfreunde von der Faktenlage entfernt hat“, sagte Frank. Es sei aber richtig gewesen, dass die Stadt keinen eigenen Wahlkampf gemacht habe. „Sonst hätte der Bürger gesagt: Jetzt wird dafür auch noch Geld ausgegeben“, erklärte der Sportdezernent.
Schlechte Verliererin
Als schlechte Verliererin zeigte sich gestern die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Stefanie Then. Sie erklärte, dass die DFB-Akademie im Süden nicht willkommen sei. Das Ergebnis des Bürgerentscheids habe mitnichten grünes Licht für das Lieblingsprojekt der Frankfurter Spitzenpolitiker gegeben. Doch selbst in Niederrad lag die Wahlbeteiligung beim Bürgerentscheid nur bei 32 Prozent (stadtweit 20,9 Prozent). Die SPD im Römer befürwortet im Gegensatz zur SPD Niederrad die DFB-Akademie.
Beim Bürgerentscheid wären für einen Erhalt der Rennbahn 124 389 Stimmen (25 Prozent) nötig gewesen – erreicht wurde mit 62 900 Stimmen nur rund die Hälfte. Dagegen votierten 40 196 Personen.
Quelle: FNP (Thomas Remlein)
Entscheid akzeptieren
Zugegeben, ein Bürgerentscheid ist eine hohe Hürde. Und so überrascht es nicht, dass die Befürworter des Rennbahn-Erhalts in Frankfurt-Niederrad ihr Ziel deutlich verfehlt haben. Nur etwa die Hälfte der notwendigen Stimmen haben sie erhalten, der neuen Heimat des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) steht nichts mehr im Wege. Oder doch?
Die (schlechten) Verlierer haben nun angekündigt, eventuell juristisch gegen die Pläne der Stadt Frankfurt und des DFB vorgehen zu wollen. Das wäre ein sehr seltsames Demokratieverständnis: Erst fordert und erreicht man einen Bürgerentscheid, dann wird das Prozedere von Manfred Louven, dem Präsidenten des Rennklubs Frankfurt, als undemokratisch bezeichnet. Wie geht das denn?
Auch er muss einsehen, dass die Zeit für Pferderennen in Frankfurt abgelaufen ist. Sieben Renntage 2014, noch fünf 2015, die Kurve zeigt klar nach unten und ist weit entfernt von den fetten Jahren mit rund 20 Tagen Pferdesport pro Saison. Die DFB-Akademie bietet dagegen neue Chancen für die Mainmetropole. Natürlich wird es selten bis überhaupt nicht die „Nationalmannschaft zum Anfassen“ geben. Aber ein paar Blicke auf die Stars wird es geben. Und der Werbewert für Frankfurt ist auch nicht zu unterschätzen.
Von dem ebenfalls geplanten Bürgerpark werden viel mehr Frankfurter profitieren können als bisher von der Rennbahn mit ihrem elitären Golfsport-Innenleben. Es mag schade sein, wenn eine Tradition keinen Platz mehr hat in Frankfurt. Deshalb war es gut, dass nicht Politiker im Römer, sondern die Bürger entschieden haben, dass der DFB expandieren und ein modernes Zentrum erstellen kann, das viele führende Fußball-Nationen längst besitzen.
Quelle FNP: ein Kommentar von Klaus Veit


