
Der DFB kann seine neue Akademie in Niederrad errichten. Ein Bürgerentscheid mit dem Ziel, das DFB-Projekt zu kippen, ist gescheitert.
Schon früh stellte sich bei den Politikern im Römer Aufatmen und Erleichterung ein. Nach der Auszählung der ersten Wahllokale zeichnete sich zwar ab, dass die Befürworter der Rennbahn eine deutliche Mehrheit haben. Aber aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung von am Ende nur 20,9 Prozent war das Quorum von knapp 125 000 Ja-Stimmen nie auch nur annähernd in Sichtweite. Diese Zahl entspricht 25 Prozent der rund 500 000 Wahlberechtigen. „Das Quorum von 125 000 Stimmen war eine brutal hohe Latte und ist undemokratisch. Wir haben mehr Stimmen als die Grünen zuletzt“, klagte Manfred Louven, Präsident des Rennklubs.
Des einen Leid, des anderen Freud: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ließ kurz nach dem vorläufigen Endergebnis aus seinem Urlaubsort in Südtirol vermelden: „Die DFB-Akademie kann kommen. Ich bin froh, dass dieses mit großer Mehrheit vom Stadtparlament beschlossene Projekt nun umgesetzt werden kann. Außerdem bekommt der Stadtteil Niederrad seinen neuen Bürgerpark.“
Kein Geld für Miete
Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Ansiedlung des DFB auf dem Rennbahngelände mit Drei-Viertel-Mehrheit, darunter die Stimmen von CDU, Grünen und SPD, beschlossen. Nach dem erfolglosen Bürgerentscheid muss das Stadtparlament nun den Beschluss noch einmal bekräftigen. Das wird voraussichtlich bereits bei der Sitzung am Donnerstag, 16 Juli, geschehen, kündigte CDU-Fraktionschef Michael Prinz zu Löwenstein an.
Dass die Rennbahnfreunde eine Mehrheit von 62 900 gegenüber nur etwas 40 196 Stimmen der Befürworter des DFB-Projekts errangen, war für die meisten Politiker nicht einmal ein Schönheitsfehler. Denn nach ihrer Ansicht hatten die Bürger zwei Möglichkeiten, sich für das DFB-Projekt auszusprechen: Entweder mit einer Nein-Stimme oder indem sie einfach der Abstimmung fern blieben. Deshalb konnte Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) sagen: „Ich bin sehr glücklich, dass mehr als 85 Prozent der stimmberechtigten Frankfurter nicht den Initiatoren des Bürgerentscheids gefolgt sind.“
Sportdezernent Markus Frank (CDU) fand dieses Ergebnis umso bemerkenswerter, weil die Rennbahn-Freunde einen gigantischen Wahlkampf geführt hätten. „Jahrelang hatten sie kein Geld, die Miete, zu zahlen, und dann gab es in der Stadt keine 20 Quadratmeter, auf denen nicht ein Plakat für den Erhalt der Rennbahn gestanden hat“, sagte Frank. Die Bürgerinitiative Pro Rennbahn hatte ihren Wahlkampfetat mit 170 000 Euro beziffert. Römer-Politiker schätzten dagegen den Aufwand auf mindestens 250 000 Euro. Mich hat gefreut, dass diese Kampagne nicht gefruchtet hat“, erklärte der Fraktionschef der Grünen im Römer, Manuel Stock.
Freude herrscht auch beim Bauherren, dem DFB: „Frankfurt bleibt für weitere 99 Jahre Deutschlands Fußball-Hauptstadt“, sagte Ralf Koettker, Mediendirektor des DFB. Der DFB hat das Rennbahn-Gelände für 99 Jahre von der Stadt Frankfurt gepachtet. Bei einer Niederlage im Bürgerentscheid hätte der Verband aber von dem Vertrag zurücktreten können. In diesem Fall stand auch der Wegzug des DFB aus Frankfurt zur Debatte.
Hosen heruntergelassen
Als faire Verliererin präsentierte sich Rebekka Unrath, Sprecherin der Bürgerinitiative Pro Rennbahn: „Wir sind stolz und froh, dass wir den ersten Bürgerentscheid durchsetzen konnten. Wir akzeptieren das Ergebnis und wollen uns jetzt an der Gestaltung des Bürgerparks beteiligen, der nun ebenfalls auf dem Rennbahngelände entstehen soll.“
Für den Fraktionschef des Bürgerbündnisses für Frankfurt (BFF), Wolfgang Hübner, einen Gegner der Rennbahnbebauung, war das geforderte Quorum von Anfang an unerreichbar, aber: „Der Goliath hat gewonnen, aber David hat ihn gezwungen, politisch und moralisch die Hosen herunterzulassen.“
Quelle: FNP (Thomas Remlein)


