Willi Stang für sein langjähriges Engagement mit dem Ehrenpreisausgezeichnet
Für seinen Verein Viktoria Preußen macht Willi Stang fast alles. Seit mehr als 50 Jahren hält er dem Club die Treue. 40 Jahre lang hat er selbst aktiv Fußball im Verein gespielt und schaut seit jeher nach dem Rechten im Vereinshaus. Jetzt wurde der 70-Jährige dafür ausgezeichnet. Er erhielt die Viktoria, eine Statue mit Flügeln, die die Hände jubelnd in die Höhe reckt.
Wili Stang ist immer noch beeindruckt. “Ich war ganz überrascht, die haben das wirklich geheim gehalten und ich habe überhaupt nichts mitbekommen“, sagt er. Beim Neujahrsempfang des SV Viktoria Preußen hat er von Präsident Uwe Henß den Ehrenpreis der Preußen überreicht bekommen: die Viktoria, eine goldfarbene Frauenfigur mit erhobenen Armen als Pokal. Die bekommen verdiente Vereinsmitglieder verliehen. “Das war eine schöne Überraschung“, sagt der Rentner, der am 9. Februar seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Seine grünbraunen Augen glänzen.
Immer hilfsbereit
Fußball könne er leider nicht mehr spielen. “Ich habe ein künstliches Kniegelenk und das linke Knie muss auch operiert werden. Aber Gymnastik mache ich noch.“ Und nicht nur die. Willi Stang hält weiterhin das Vereinshaus in Eckenheim in Stand. “Ich kümmere mich um die Technik, und seitdem ich in Rente bin auch um die Sauberkeit. Früher hat meine Frau Erika hier geputzt, jetzt mache ich das“, sagt der 70-Jährige. Wenn die Heizung mal nicht geht, repariert er sie. Wenn jemand seinen Schlüssel vergessen hat und ein Trikot braucht, wird Stang angerufen, er fährt dann von zu Hause aus los und öffnet die Tür. “So kommt eins zum anderen“. Er kennt jeden Winkel des Hauses, im Lokal hängen bunte Luftschlangen kringelig von der Decke, blank geputzte Pokale strahlen auf den Fensterbänken hinter weißen Gardinen. Rote Tischsets erhellen die dunklen Holztische.
Montags verbringt Stang den ganzen Tag in seinem Vereinshaus. Repariert, putzt, wäscht Trikots, schwitzt abends mit den Sportlern in der kleinen Sauna und erinnert sich an alte Zeiten. “Ich habe hier in der C-, B- und A-Jugend gespielt. Rechtsaußen und im Tor. Was ich halten konnte, habe ich gehalten“, sagt Stang. Wie nebenbei plaudert er vom Prominenten-Team, bei dem er mitgespielt hat und von der Bundesliga, als er im Uni-Team mitgekickt hat, obwohl er gar nicht dort studiert, sondern an der Uni als Techniker gearbeitet hat. Entdeckt wurde er, weil er am Sportinstitut trainiert hat. “Die Studenten hatten aber nichts dagegen, mich aufzunehmen. Spaß gemacht hat es, als wir wie die Großen nach dem Spiel in Hannover im Intercity Hotel übernachtet haben“, sagt er stolz.
Techniker mit Hund
Stang hat auch der Universität die Treue gehalten. Auf dem Campus hat er 37 Jahre lang als Techniker gearbeitet. “Da hatte ich ein glückliches Händchen, habe den gesamten Aufbau mitbekommen. Ich habe 48 Jahre lang durchgehend gearbeitet und hatte nur zwei Stellen. Erst elf Jahre als Feinmechaniker, dann als Techniker“, erinnert er sich. Seit 2010 ist der bescheidene und entspannte Sportler in Rente. „Die Arbeit hat mir im ersten Jahr schon gefehlt, aber hier im Verein gibt es immer was zu tun“, weiß er. So wäscht er montags auch alle Trikots für die vier Mannschaften im Verein. “Das sind nicht mehr elf wie früher, sondern 18 pro Mannschaft plus Torwartkleidung, Sweatshirts und Unterziehhemden“, erklärt der 70-Jährige.
Ansonsten geht Willi Stang mit seiner Frau Erika und der schwarzen Labradorhündin Emily gern spazieren, spielt mit seinen Enkelkindern Patrick (5) und Enja (1), liest Thriller und Krimis “am liebsten von Andreas Franz im Sommer auf dem Balkon“, beschäftigt sich mit Modellbau und bastelt Schiffe und Flugzeuge. Auch Essen ist ein Hobby: “Meine Lieblingsgerichte sind Rouladen und Steaks.“ Er lacht gern, tief und herzlich, freut sich immer noch über die Ehrung. “Die Viktoria ist der Oscar vom SV Viktoria Preußen“. Sie steht jetzt in seinem Wohnzimmerschrank.
Quelle FNP: Sabine Schramek
Foto: Holger Menzel


