Im Halbfinale des Frankfurter Kreispokals hat der FC JuZ Fechenheim für die nächste Überraschung gesorgt.
Mit dem SV Viktoria Preußen musste nun schon der vierte Kreisoberligist an der Birsteiner Straße die Segel streichen. Durch das goldene Tor von Leonardo Genova zehn Minuten vor dem Ende machte der A-Ligist die Sensation perfekt und darf nun im Finale gegen den Verbandsligisten FC Kalbach nicht nur um den Kreispokalsieg, sondern auch um die Qualifikation zum Hessenpokal spielen.
Wie schon im Viertelfinale gegen den SV Griesheim Tarik empfing der A-Ligist seine Gäste bei nasskaltem Nieselregen auf dem großen Rasenplatz an der Birsteiner Straße. Die Halbfinalbegegnung begann mit gut startenden Gästen, bereits nach zwei Minuten wurde Kadir Özer von Winter-Neuzugang Renato Levi gut in Szene gesetzt, doch auf dem glitschigen Platz konnte er die Kugel wenige Meter vor dem Tor nicht kontrollieren. Özers Chance war die erste von nur wenigen in der Anfangsphase bei der Viktoria, dennoch war der Klassenunterschied zunächst sichtbar. Auf der Gegenseite köpfte Danilo Casaluce eine Freistoßflanke von Giovanni Sapia aus 8 Metern am Tor vorbei (15.). Wenige Minuten später Freistoß auf der Gegenseite: Von halbrechts fand Darius Johnson mit seinem starken linken Fuß seinen Abwehrchef Carsten Vermeer, der den Ball mit etwas Glück zum 1:0 in die linke Ecke köpfen konnte. Doch obwohl der Favorit nun in Führung lag, wurden die Gastgeber nach und nach mutiger. Aus spitzem Winkel scheiterte Erdi Kizli am Außennetz, kurz darauf vertändelte Leonardo Genova nach gutem Zuspiel von Kapitän Murat Bulut den Ball in aussichtsreicher Position.
Nach mehreren Gelegenheiten wurden die Hausherren nach knapp einer halben Stunde belohnt: Einen schnell ausgeführten Freistoß aus der eigenen Hälfte von Amaar Mahmood konnte Genova erlaufen und in Richtung Torauslinie ziehen, den Pass in die Mitte musste Erdi Kizli nur noch zum 1:1 über die Linie drücken. Vom Kreisoberligisten kam zu wenig, allerdings konnten sie sich auf ihre Stärke bei Standardsituationen verlassen. Einen langen Freistoß von der Mittellinie konnte im Strafraum auf Özer verlängert werden. 5 Minuten vor dem Pausenpfiff nahm der Stürmer die Vorlage direkt und versenkte das Leder zur erneuten Führung in die lange Ecke. Trotz des erneuten Rückstands schien der FC JuZ kaum geschockt und suchte seinerseits den erneuten Ausgleich. 30 Meter vor dem Tor wurde Bulut angespielt, ließ zunächst einen Gegner aussteigen und lupfte den Ball anschließend sehenswert nach halbrechts in den Laufweg des heranfliegenden Antonio Madeo, der die Kugel einmal aufspringen ließ und anschließend ebenso sehenswert aus der Luft zum 2:2 in die Ecke donnerte.
Genova bringt JuZ ins Endspiel
Im zweiten Durchgang waren tolle Chancen Mangelware. Erst 20 Minuten nach dem Wiederanpfiff prüfte Bulut Preußen-Torwart Rachid Döring mit einer Direktabnahme aus 11 Metern. Bei den Gastgebern fiel vor allem Mittelfeldmann Danilo Casaluce auf, der stellvertretend für den Kampfgeist seiner Truppe stand, viele Kopfbälle holte und ebenso viele Zweikämpfe gewann. Im Laufe des zweiten Durchgangs entwickelte sich die Begegnung auch endlich zu einem Pokal-Fight. Die Zweikämpfe wurden immer robuster geführt, Schiedsrichter Ian Plenderleith, der schon Fechenheims Viertelfinale leitete, musste gleich mehrere Verwarnungen aussprechen. Nach feinem Zuspiel von Casaluce auf den eingewechselten Gennaro Russo fand der sich wenige Meter vor dem Tor wieder, doch Döring machte sich groß und parierte die nächste Einschussgelegenheit. Kurz darauf hielten die ca. 80 Zuschauer den Atem an, als Casaluce nach einem Foulspiel im Mittelfeld sofort das Signal zum Auswechseln gab. Beim Zweikampf mit Daniel Rother sprang Casaluce die Kniescheibe heraus, für ihn kam Vincenzo Pugliese ins Spiel. Auch von der Auswechslung ihres besten Akteurs ließen sich die Kicker vom JuZ nicht schocken, der Glaube an die nächste Überraschung war der Körpersprache der Spieler anzumerken.
Weiterhin suchten sie den Weg über die Offensive und kamen 10 Minuten vor dem Ende zum entscheidenden Freistoß: Aus dem rechten Halbfeld brachte Mahmood den Ball mit links auf den zweiten Pfosten. Dort stand Genova vollkommen blank und köpfte den Ball – in einer Kopie des 0:1-Treffers – mit etwas Glück in die linke Ecke zum 3:2-Führungstreffer. Mit der verspielten Führung suchte die Viktoria jetzt natürlich den Lucky-Punch und lief zunächst ohne Erfolg auf das Tor der Fechenheimer an. Erst in der Nachspielzeit wurde der A-Ligist beinahe um die Führung gebracht. Erneut sorgte ein Freistoß der Preußen für Gefahr; nach einer unübersichtlichen Szene im Strafraum wurde die Kugel brandgefährlich in Richtung Tor geköpft. Torwart Salvatore Costanza war eigentlich schon auf dem Weg in die andere Ecke. Im letzten Moment eilte er zurück und konnte den Kopfball per Fußabwehr von der Linie kratzen. So musste der Außenseiter noch ein paar bange Sekunden überstehen, bis Plenderleith das Halbfinale nach zwei Minuten Nachspielzeit zum Jubel des Anhangs für beendet erklärte.
Die Stimmen zum Spiel:
JuZ-Trainer Piero Di Micco: “Wir haben uns am Anfang schwergetan und zu viel Respekt vor dem Gegner gehabt. Im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein, wir sind nach zwei Rückständen zurück ins Spiel gekommen und haben gewonnen. Das Finale hat natürlich seine eigenen Gesetze, wir sind in letzter Zeit nie als Favorit in ein Spiel gegangen, aber wir schauen mal. Im Finale ist alles drin. Wir sind warum auch immer gerne mal ein bisschen launisch, aber ich hoffe, dass die Jungs den Schwung jetzt in die Liga mitnehmen können. Das haben sie sich verdient.“
Preußen-Abteilungsleiter Thomas Mahlau: “Heute hat, denke ich, keiner seine Normalform erreicht, obwohl wir gut ins Spiel gekommen sind und zweimal geführt haben. Die Aggressivität von JuZ hat uns schon beeindruckt und etwas überrumpelt. Die sind auf den Ballführenden drauf gegangen und hatten den Willen, den heute keiner von unseren Spielern hatte. Je länger das Spiel ging, desto weniger Ideen hatten wir. Das war eine Riesenchance um ins Endspiel zu kommen, der Stachel sitzt tief.“
Tore: 0:1 Carsten Vermeer (19.), 1:1 Erdi Kizli (27.), 1:2 Kadir Özen (41.), 2:2 Antonio Madeo (45./+1), 3:2 Leonardo Genova (81.).
Quelle: Torgranate (sly)


