
Mit tausenden Plakaten zog die Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ in den Wahlkampf. Doch der Bürgerentscheid am 21. Juni zum Erhalt der Niederräder Rennbahn ging deutlich verloren. Jetzt werden die Verantwortlichen ihrer eigenen Plakatflut nicht mehr Herr.
Ja, warum hängen sie denn noch? Das fragt sich der geneigte Betrachter, wenn er an den bunten Werbemotiven der Rennsportfreude am Straßenrand vorbeifährt. Offenbar haben sich die Turffreunde beim Aufstellen der Plakate vergaloppiert. Sie haben nach eigenen Angaben rund 8000 Werbeträger geklebt und jetzt selbst den Überblick verloren. „Da mag das eine oder andere noch hängen“, räumt Rennklub-Präsident Manfred Louven ein. Gleichzeitig versichert er. „Wir kommen unserer Pflicht nach!“ Der Pflicht nämlich, die Plakate zu beseitigen. Denn dafür gibt es strenge Regeln, die bei Wahlkämpfen und Bürgerentscheiden in gleicher Weise gelten. Plakatiert werden darf sechs Wochen vor, während und zwei Wochen nach der Wahl oder dem Bürgerentscheid. Bis Montag hätten also die Plakate verschwunden sein müssen. Sind sie aber nicht. „Das ist kein böser Wille“, versucht der Rennklubpräsident zu beschwichtigen.
15 Euro pro Plakat
Guter Wille, böser Wille? Das interessiert das Straßenverkehrsamt nicht. Es ist dafür zuständig, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Am 26. Juni hat die Behörde die Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ per Mail informiert, die Plakate bis 5. Juli zu beseitigen. Die Rennsportfreunde erklärten, sie bemühten sich, alle Plakate abzuhängen. Eine Vielzahl von Plakaten sei bis zu diesem Zeitpunkt auch verschwunden, erklärt Heiko Kleinsteuber vom Verkehrsdezernat. Aber eben nicht alle.
Die Restposten sammeln nun im Auftrag der Stadt Mitarbeiter der FES oder der Werkstatt Frankfurt ein. Das kann richtig teuer werden. Pro Plakat werden laut Kleinsteuber 15 Euro fällig, dazu kommt eine Verwaltungsgebühr von 95 Euro. Werden mehrere Plakate an einer Stelle gemeldet, wird die Verwaltungsgebühr nur einmal fällig. Berechnet werden kann auch der Arbeitsaufwand: Wenn es in vier Meter Höhe hängt, so dass man einen Hubsteiger benötigt, ist es teurer, als wenn es sich um einen Dreiecksständer an der Ecke handelt. Aufmerksame Bürger oder Mitarbeiter der Stadtpolizei melden die vergessenen Plakate der Behörde.
!Na bravo!“, ist der sarkastische Kommentar vor Rennklub-Präsident Louven, als er von den Extra-Kosten hört. Hat der Rennklub noch genügend Geld in der Wahlkampfkasse für die zusätzlichen Ausgaben? „Das weiß ich nicht“, sagt Louven. Das Wahlkampfbudget der Bürgerinitiative betrug nach deren Angaben rund 170 000 Euro. Das ist deutlich mehr als die großen Frankfurter Volksparteien in Frankfurt für Bundes- oder Landtagswahlkämpfe ausgeben.
Der DFB baut
Doch selbst mit diesem Aufwand ist es nicht gelungen, genügend Bürger für den Erhalt der Rennbahn zu mobilisieren. Von den erforderlichen knapp 125 000 Ja-Stimmen wurden nur 62 900 erreicht. Nun kann der Deutsche Fußballbund (DFB) auf dem Gelände der Rennbahn seine Akademie bauen. Für das Projekt investiert der Sportverband 89 Millionen Euro. Dort sind dann auch die rund 300 Beschäftigten untergebracht, die für den DFB arbeiten. Seit 2006 hat der DFB nach eigenen Angaben 33 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Stadt gezahlt.
Quelle FNP von Thomas Remlein


