Immer weniger Mannschaften spielen im Bereich des Deutsches Fußball-Bundes. Die Basis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bröckelt. 2015 sind im größten Sportfachverband der Welt knapp 16.000 Mannschaften weniger gemeldet als noch vor fünf Jahren.Gerade in den unteren Klassen müssen immer mehr Vereine den Spielbetrieb einstellen. „Ohne die Amateure als breites Fundament könnten wir an der Spitze mit der Nationalmannschaft nicht diese Erfolge haben“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach einst – demnach müsste es für Bundestrainer Joachim Löw und seine Weltmeister allmählich ans Eingemachte gehen.
Die Verantwortlichen vermuten hinter dem Mannschaftssterben in den unteren Spielklassen vor allem den demographischen Wandel und das veränderte Freizeitverhalten der Gesellschaft. Doch auch der mitunter schlechte Ruf des Amateurfußballs könnte zu dem gravierenden Rückgang beitragen.
Mitgliederrekorde kaschieren Probleme
Denn neben dem Spielermangel kämpfen die altehrwürdige Kreisligen auch mit einem Imageproblem. Geschichten, wie die des „Brutalo-Aufsteigers“ BV Altenessen II, dessen Gegner sich nach mehreren Gewaltexzessen schlichtweg weigerten anzutreten, machen deutschlandweit Schlagzeilen. Zusätzlich fördern Berichte von Attacken auf Gegenspieler oder Schiedsrichter regelmäßig den Eindruck, dass in den unteren Ligen die Sitten verrohen. Beim DFB zeigt man auch mit dem Zeigefinger auf die Medien. „Das Phänomen, dass man aus einer Schlägerei in Hintertupfing ein bundesweites Thema macht, ist neu“, sagt Willi Hink, DFB-Direktor für Amateurfußball. „Der Ton auf dem Platz ist nicht rauer geworden, der war schon immer so. Allerdings hat sich möglicherweise die Akzeptanz der Spieler dafür verändert.“
Die Tatsache, dass der DFB immer neue Mitgliederrekorde aufstellt – derzeit sind es knapp 6,9 Millionen, über 100 000 mehr als noch vor fünf Jahren – kaschiert das Basisproblem nur. Zumal sich frustrierten Kickern attraktive Alternativen bieten, unter anderem in den zahlreichen Hobbyligen der Nation. „Wo kicken noch Spaß macht“, das Motto der „Bunten Liga“ in Köln etwa, ist deshalb auch nicht nur zufällig ein kleiner Seitenhieb auf die Amateurklassen des DFB. „Die Bunte Liga bietet eine Alternative für alle, die sich mit dem vom DFB organisierten Fußball nicht mehr identifizieren können“, sagt der Kölner Liga-Präsident Frank Fischer: „Der Spaß am Fußball steht bei uns über dem Leistungsgedanken.“
Nach Fischers Erfahrung fliehen immer mehr Spieler auch vor der aggressiven Stimmung, der Gewalt und dem Druck in den unteren Klassen des DFB. „Die soziale Komponente und der Fair-Play-Gedanke sind die zentralen Anliegen der Bunten Liga“, sagt er. Vorstandskollege Florian Sondermann ergänzt: „Hier werden keine taktischen Fouls gemacht, der Umgang miteinander ist fairer. Rote Karten kommen bei uns äußerst selten vor.“ Hobbyligen wie in Köln gibt es mittlerweile in beinahe jeder größeren deutschen Stadt – und die Wartelisten für Teams sind lang.
Künftig auch mal Neun gegen Neun
Der DFB hat die vielfältigen Probleme im Amateurfußball derweil durchaus erkannt. Dem Mannschaftsschwund in den Kreisligen begegnet man beispielsweise mit dem sogenannten „Norweger Modell“, mit dem von der nächsten Spielzeit an unter anderem der Fußballverband Westfalen experimentiert. Kreisliga-Mannschaften mit Personalproblemen dürfen eine Saison dort künftig mit neun Spielern gegen neun Gegner statt mit elf gegen elf bestreiten. Außerdem sollen die Anstoßzeiten flexibler und Spielverlegungen leichter werden. Neue Wechselregelungen sollen verhindern, dass Ersatzspieler in den unteren Klassen teilweise gar nicht zum Einsatz kommen. Es sind exakt diese Aspekte, die auch die Hobbyspielklassen für so viele Fußballer reizvoll machen. Die „Bunten“ oder auch „Wilden“ Ligen werden damit zum Vorbild für den Amateurfußball des DFB. „Am Ende geht es darum, dass die Menschen überhaupt Fußball spielen“, sagt Hink zwar, doch eine gewisse Konkurrenz zu den Freizeitkickern kann er nicht leugnen. Seine Kampfansage: „Wir arbeiten dar daran, dass der moderne Verein der Zukunft die Hobby-Ligen eigentlich überflüssig macht.“
Quelle: sid



