
Trotz des gescheiterten Bürgerentscheids will der Frankfurter Rennklub weiter für den Erhalt der Galopprennbahn kämpfen. Im Gegensatz zum Rennklub hat sich Rebekka Unrath von der Bürgerinitiative »Pro Rennbahn « mit der Abstimmungsniederlage abgefunden: Die BI will jetzt den Bürgerpark, der neben der DFB-Akademie auf dem Rennbahn-Areal entstehen soll, mitgestalten.
Auch nach dem verlorenen Bürgerentscheid am Sonntag will der Rennklub nicht kampflos weichen. Er will das Gelände der Galopprennbahn in Niederrad nicht freiwillig räumen und alle Register ziehen, um dort bleiben zu können. Dazu zählen auch rechtliche Schritte gegen die Stadt. Diesen einstimmig getroffenen Vorstandsbeschluss des Vereins verkündete Schatzmeister Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels. Für die Rennsaison 2016 hat der Rennklub beim Dachverband „Vollblutzucht und Rennen“ bereits acht Renntage angemeldet. Solms kündigte an, möglicherweise auch bei der Kommunalwahl am 6. März 2016 mit einer eigenen Liste „honoriger Bürgern“ anzutreten. „Dass wir Wahlkampf können, haben wir gezeigt“, betonte Solms. Eine weitere Möglichkeit sei, eine Partei zu unterstützen, die sich für den Erhalt der Rennbahn eingesetzt habe. Welche das sein könnte, ließ er offen. Infrage käme das Bürgerbündnis für Frankfurt (BFF), das sich mit vier Stadtverordneten als größte Oppositiongruppe für den Erhalt der Rennbahn ausgesprochen hatte. Das Stadtparlament indes hatte mit Drei-Viertel-Mehrheit, darunter die Stimmen der drei großen Frankfurter Volksparteien CDU, Grüne und SPD, beschlossen, das Rennbahn-Areal an den Deutschen Fußballbund (DFB) zu verpachten. Der DFB will dort für 89 Millionen Euro sein Leistungszentrum errichten.
„Arrogante Art“
Beim Bürgerentscheid am Sonntag verfehlte die Bürgerinitiative zum Erhalt der Rennbahn die erforderliche Zahl von 124 389 Ja-Stimmen deutlich. Nur 12,6 Prozent aller Wahlberechtigen sprachen sich für den Erhalt der Rennbahn aus. Das liegt sogar noch unterhalb der Schwelle, die derzeit die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden diskutiert. Diese möchte das Quorum der Ja-Stimmen bei Bürgerentscheiden von derzeit 25 auf 15 Prozent senken. Bei einer Wahlbeteiligung von nur 20,9 Prozent erhielt das Anliegen der Rennbahnbahnfreunde aber eine Mehrheit von 61 Prozent oder 62 900 Stimmen. „Daraus ziehen wir unseren Mut, weiterzumachen“, sagte Solms. Angesichts des Ergebnisses könne die Stadtregierung jetzt nicht Ätschebätsch spielen. Solms kritisierte die „arrogante Art, wie die Stadtregierung das Wahlergebnis präsentierte. Wir hatten die Hoffnung, dass das Votum eine Rolle spielt.“ Damit meinte Solms offenbar die 62 900 Ja-Stimmen gegenüber 40 196 Nein-Stimmen. „Wir haben ein Drittel mehr Stimmen als der DFB.“ Für Solms ist es daher „nicht nachvollziehbar, dass man uns undemokratisches Verhalten vorwirft“. Damit bezog sich Solms auf Pressekommentare, in denen dem Rennklub vorgeworfen wurde, ein schlechter Verlierer zu sein.
„Wir ziehen jede Option“
Laut Solms war es dem Rennclub klar, dass das Quorum nicht zu erreichen sein würde. „Deshalb hat uns das positive Votum überwältigt. Gerade weil wir Demokraten sind, machen wir weiter.“ Er kündigte an, „jede Option zu ziehen, die Rennbahn zu erhalten“. Dazu gehören auch juristische Schritte. Solms erinnerte an Ex-Rennklub-Präsident Manfred Hellwig. „Man wird von Herrn Hellwig hören.“ Dieser hatte angekündigt, die Übertragung seines 49-Prozent-Anteils an der Hippodrom GmbH rückgängig zu machen. Die Hippodrom ist Pächterin der Rennbahn. Das ist rechtlich möglich, räumt auch der Magistrat ein. Dann würde Hellwig allerdings 2,98 Millionen Euro verlieren, die die Stadt bereits überwiesen hat. Die Stadt bleibt trotzdem Mehrheitseigner. Solms wies darauf hin, dass die Verträge des Rennklubs mit der Hippodrom bis 2024 laufen „und nicht gekündigt werden können“.
Den Sprecher von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), Mark Gellert, lässt das kalt. „Der Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen der Hippodrom GmbH und dem Rennklub ist bereits gekündigt“, sagte er. Für einen erfahrenen Richter sei ein Urteil in dieser Frage eine der leichteren Entscheidungen.
Quelle FNP (tre)


