{"id":3758,"date":"2015-08-07T10:44:18","date_gmt":"2015-08-07T08:44:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/?p=3758"},"modified":"2025-08-11T20:33:35","modified_gmt":"2025-08-11T18:33:35","slug":"neue-anstosszeiten-eine-ohrfeige-fuer-den-amateurfussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/2015\/neue-anstosszeiten-eine-ohrfeige-fuer-den-amateurfussball\/","title":{"rendered":"Neue Ansto\u00dfzeiten: Eine Ohrfeige f\u00fcr den Amateurfu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/140-Leere-Tribudene-468x313.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-3762\" src=\"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/140-Leere-Tribudene-468x313-300x201.jpg\" alt=\"140 Leere Tribudene 468x313\" width=\"370\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/140-Leere-Tribudene-468x313-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/140-Leere-Tribudene-468x313.jpg 468w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Bundesliga braucht mehr Geld. Da herrscht Einigkeit. Zumindest unter den teilnehmenden Vereinen. &#8222;Wenn es in England m\u00f6glich ist, so viel Geld zu generieren, muss es in Deutschland auch m\u00f6glich sein. Das ist es derzeit aber nicht. Also m\u00fcssen wir uns \u00fcberlegen, was wir ver\u00e4ndern k\u00f6nnen\u201c, sieht Wolfsburg Manager Klaus Allofs die Bundesliga nach dem neuen monstr\u00f6sen TV-Deal in England offenbar in der Gefahr, zum Armenhaus zu werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df der DFL, ab 2017\/18 auch am Sonntagmittag und am Montagabend Bundesligaspiele bestreiten zu wollen, ist vor allem auf Fanebene auf massive Kritik gesto\u00dfen. Zu Recht, denn es ist ein weiterer Einschnitt in die M\u00f6glichkeiten, die eigene Mannschaft zu Ausw\u00e4rtsspielen zu begleiten. Und vermutlich nicht nur zu Ausw\u00e4rtsspielen \u2013 am Montagabend mag es f\u00fcr den einen oder anderen Zuschauer auch mit dem Heimspiel zeitlich knapp werden. Von den jugendlichen Fans, die am Dienstagmorgen ausgeschlafen in die Schule marschieren sollen, gar nicht zu reden. Ob das zielgruppengerecht ist, sei dahingestellt.<\/p>\n<p><strong>Zeitliche Kollision kostet einseitig Zuschauer im Amateurbereich<\/strong><\/p>\n<p>Fatal die Entwicklung f\u00fcr die Vereine unterhalb der Profiebene. Schon seit Jahren ringen die Klubs im ambitionierten Amateurbereich um Ansto\u00dfzeiten, bei denen sie nicht mit der Bundesliga.Denn jedes Bundesligaspiel, das parallel zum eigenen Spiel l\u00e4uft, kostet Zuschauer. Spielt beispielsweise der westf\u00e4lische Traditionsklub Westfalia Herne zeitgleich mit Schalke oder Dortmund, fehlen auf den R\u00e4ngen Dutzende von bekannten Gesichtern. Und bei den kurzfristigen Ansetzungen der Bundesligaspiele ist es f\u00fcr die Amateurvereine h\u00e4ufig gar nicht m\u00f6glich, kurzfristig mit einer eigenen Terminverlegung zu reagieren. Denn in den Spielklassen sind Amateure unterwegs, die feste Arbeitszeiten haben und sich am Wochenende nat\u00fcrlich auch um ihre Familien k\u00fcmmern wollen. Zwar steht in ihrem Lebenszentrum der Fu\u00dfball, aber eben als Leidenschaft und nicht als Beruf.<\/p>\n<p><strong>Gehobener Amateursport unter gewaltigem Druck<\/strong><\/p>\n<p>Die DFL sieht sich im Zugzwang gegen\u00fcber England. Die dortigen TV-Gelder haben jeden bisherigen Rahmen gesprengt. Die Fakten sind bekannt: von 2016 bis 2019 gibt es fast 7 Milliarden Euro. Das sind schwindelerregende 13,45 Mio. Euro pro Spiel. Selbst der Tabellenletzte der Premier League kassiert mehr als Bundesligakr\u00f6sus Bayern M\u00fcnchen, denn die Bundesliga muss sich 2016\/17 mit Einnahmen in H\u00f6he von \u201elediglich\u201c 835 Mio. Euro bescheiden. Und will f\u00fcr den darauffolgenden Zeitraum deutlich mehr. Um mit England konkurrieren zu k\u00f6nnen. Dazu ist es n\u00f6tig, attraktiver zu werden. Und das Angebot zu erweitern. Deshalb die zus\u00e4tzlichen Ansto\u00dfzeiten.<\/p>\n<p>Ohne die explodierenden TV-Gelder an dieser Stelle thematisieren oder gar moralisieren zu wollen: einmal mehr geht der Drang der Bundesliga nach weiteren Millionen einseitig zu Lasten der Amateurvereine. \u201eWenn man denkt, es geht nicht schlimmer, wird man eines Besseren belehrt. Es gibt immer noch M\u00f6glichkeiten, den gehobenen Amateursport kaputt zu machen\u201c, bringt Stefan Pralle, Manager des Nord-Regionalligisten TSV Havelse, die Situation f\u00fcr die Vier- bis Sechstligisten auf den Punkt. Der ambitionierte Amateurfu\u00dfball ist das unbeachtete Stiefkind in der Glitzerwelt des gro\u00dfen Fu\u00dfballs.<\/p>\n<p><strong>Bis 1974: Samstags Profis, Sonntag Amateure<\/strong><\/p>\n<p>Bis Mitte der 1970er Jahre gab es eine klare Trennung zwischen Profi- und Amateurfu\u00dfball. Profifu\u00dfball fand samstags statt, Amateurfu\u00dfball sonntags. Mit der Einf\u00fchrung der 2. Bundesliga 1974 dr\u00e4ngte der Profifu\u00dfball erstmals auch in den Sonntag. Das sorgte schon damals f\u00fcr Probleme, denn bei vielen Zweitbundesligisten gab es Proteste lokaler Amateurklubs, die zeitgleich aufliefen und denen die Zuschauer wegblieben. Auch f\u00fcr die Aktiven hie\u00df es damals erstmals, sich entscheiden zu m\u00fcssen zwischen dem Stadionbesuch und dem eigenen Spiel in der Kreisliga oder Kreisklasse. Die Zuschauerkrise auf Kreis- und Bezirksebene hatte begonnen.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen des Privatfernsehens breitete sich der Profifu\u00dfball in den 1990er Jahren epidemisch auf weitere Spieltermine aus. Der Freitagabend, f\u00fcr einige Amateurklubs mit Flutlichtanlagen zu einer attraktiven Alternative geworden, wurde zunehmend von erster und zweiter Bundesliga besetzt. 1992 kam das erste Sonntagspiel und sorgte f\u00fcr einen massiven Einschnitt. Namentlich Spitzenspiele in der Bundesliga zogen dramatisch sinkende Zuschauerzahlen nach sich. Auf die heutige Situation \u00fcbertragen weckt der Aufstieg von Klubs wie FC Ingolstadt und TSG Hoffenheim aus Amateursicht daher sogar Hoffnung, denn deren Duell ist f\u00fcr viele Fans vermutlich reizloser als beispielsweise 1. FC Kaiserslautern gegen Eintracht Braunschweig.<\/p>\n<p><strong>Unabsehbare Folgen f\u00fcr den Unterbau<\/strong><\/p>\n<p>Kommt es ab 2017 wie geplant auch am Sonntag um 13:30 Uhr zu Bundesligaspielen verengt sich der Zeitraum f\u00fcr den Amateurfu\u00dfball noch mehr. Dramatisch gesprochen ist dann kaum noch Luft zum Atmen. Und das betrifft den gesamten Fu\u00dfball unterhalb der Profiebene. Denn wo die ausgeweitete Bundesliga-\u00dcbertragung in Regional-, Ober- und Landesliga vor allem ein Zuschauerproblem ist, weil sich das zahlende Publikum lieber vor den Fernseher setzt, wird es in den klassischen Amateurligen auf Bezirks- und Kreisebene sowie im Nachwuchsbereich zum Aktivenproblem. Viele dort aktive Fu\u00dfballer sind eben auch Fans eines Bundesligisten. Und sie werden k\u00fcnftig noch h\u00e4ufiger vor der Frage stehen, entweder f\u00fcr den eigenen Klub aufzulaufen oder ihrem Bundesligaliebling zuzuschauen.<\/p>\n<p>Dramatisch die Entwicklung im Jugendbereich, dessen Spiele h\u00e4ufig am fr\u00fchen Sonntagvormittag angesetzt sind. Welcher Elfj\u00e4hrige will schon selber spielen, wenn seine Lieblingsmannschaft im Fernsehen kommt?<\/p>\n<p>Die Bundesliga mit ihrer beinahe l\u00fcckenlosen Ausdehnung \u00fcber das Fu\u00dfballwochenende t\u00f6tet ihre Basis. Die Basis der Spieler, und die Basis der Zuschauer. Der Drang \u2013 oder Zwang \u2013 zur Erh\u00f6hung der Einnahmen ist kurzfristig gedacht. Zu kurzfristig? Um mit England mithalten zu k\u00f6nnen (wobei die dort erzielten Betr\u00e4ge aus verschiedenen Gr\u00fcnden ohnehin utopisch f\u00fcr Deutschland sind) ist man bereit, die Bed\u00fcrfnisse des Unterbaus erneut komplett zu ignorieren. Das ist einseitige F\u00f6rderung des kommerziell betriebenen Fu\u00dfballs zu Lasten des von Ehrenamt getragenen Amateurfu\u00dfballs. Mit anderen Worten: eine schallende Ohrfeige in die Gesichter all der Spieler, Funktion\u00e4re und Fans, die Sonntag f\u00fcr Sonntag ihre Freizeit (und ihr Geld!) opfern, um Deutschland zu einem &#8222;Fu\u00dfball-Land\u201c zu machen.<\/p>\n<p><strong>Keine Unterst\u00fctzung durch den DFB<\/strong><\/p>\n<p>Vom DFB ist wenig Hilfe zu erwarten. Zwar \u00fcberschl\u00e4gt man sich auf seinen \u00f6ffentlichen Plattformen mit Bekundungen zum Amateurfu\u00dfball, doch die Praxis sieht anders aus. Hohe Auflagen im Falle des Aufstiegs in die Ober- oder Regionalliga und immense Kosten bei \u201eRisikospielen\u201c lassen ehrenamtlich gef\u00fchrte Vereine, die seri\u00f6s wirtschaften wollen, immer h\u00e4ufiger von einem Aufstieg Abstand nehmen. So wird der sportliche Wettstreit aus den Angeln gehoben, bestimmen zunehmend die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen \u00fcber die Zusammensetzung der Spielklassen. Was Hasardeure auf den Plan ruft, die mit Macht nach oben dr\u00e4ngen und die daf\u00fcr bereit sind, Risiken einzugehen, die schwer \u00fcberschaubar sind. Die Folgen tr\u00e4gt im Falle des Scheiterns der Verein. Die Aussage von DFL-Chef Christian Seifert \u201eEs ist Aufgabe der DFL, alle Interessengruppen unter einen Hut zu bringen. Das ist ein Spagat in alle Richtungen. Andere Ligen machen es sich da einfacher und ignorieren einfach alle Interessen \u2013 au\u00dfer die monet\u00e4ren\u201c, wirkt da recht zynisch.<\/p>\n<p><strong>Deutscher Fu\u00dfball am Scheideweg<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Fu\u00dfball steht am Scheideweg. Eine einseitige Fokussierung auf den Profibereich und ein Messen mit Finanzkr\u00f6sus England mag der Bundesliga vielleicht kurzfristig helfen, mittel- und langfristig aber k\u00f6nnte sie sich als Bumerang erweisen. Schon jetzt ist die Kritik an den finanziellen Ausw\u00fcchsen im Profibereich zunehmend sp\u00fcrbarer. Dabei herrschen in Deutschland noch vergleichsweise paradiesische Zust\u00e4nde \u2013 nimmt man beispielsweise bei den Eintrittskartenpreisen England als Ma\u00dfstab. Und trotzdem: die Skepsis gegen\u00fcber dem \u201egro\u00dfen\u201c Fu\u00dfball nimmt zu. Das ist eine Chance f\u00fcr den \u201ekleinen Fu\u00dfball\u201c, der von vielen als \u201eehrlicher\u201c wahrgenommen wird. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass dies auch in den Verb\u00e4nden widergespiegelt werden w\u00fcrde.<br \/>\nGro\u00dfer Fu\u00dfball und kleiner Fu\u00dfball m\u00fcssen zusammenarbeiten, denn beide brauchen einander. Der gro\u00dfe Fu\u00dfball den kleinen, weil dort unten jene Fu\u00dfball-Leidenschaft entsteht, die \u201eoben\u201c f\u00fcr Ums\u00e4tze sorgt. Der kleine Fu\u00dfball den gro\u00dfen, weil dort die Lust auf einen \u201eschillernden\u201c Fu\u00dfball geweckt wird, die \u201eunten\u201c Motivation und Anstrengungen verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Eine weitere Ausweitung der Ansto\u00dfzeiten w\u00e4re daher ein Schlag ins Gesicht des Amateurfu\u00dfballs und w\u00fcrde die Schere noch weiter auseinandergehen lassen.<\/p>\n<p>Die DFL-Ank\u00fcndigung ist der Beweis, dass der Profibereich nur an sich denkt und die kleinen Vereine links liegen l\u00e4sst. Es ist schlicht ein Skandal, was die DFL dort entschieden hat. Der Amateurfu\u00dfball hat \u00fcberhaupt keine Lobby mehr und wird ausgepresst wie eine Zitrone. Der Anfang vom Ende des Amateurfu\u00dfballs.<\/p>\n<p>von Hardy G\u00fcne und Frank Willig (Zeitspiel)<\/p>\n<p><strong>So l\u00e4uft es in Spanien und England: <\/strong><\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder \u2013 andere Zeiten: In der Fu\u00dfball-Bundesliga gibt es bislang f\u00fcnf Ansto\u00dfzeiten: Freitag um 20.30 Uhr, Sonnabend um 15.30 Uhr und um 18.30 Uhr, Sonntag um 15.30 und 17.30 Uhr. In England gibt es an einem durchschnittlichen Premier-League-Wochenende Sonnabendspiele um 13.45 Uhr, 16 Uhr und 18. 30 Uhr. Sonntags finden Partien um 13 Uhr, 15.05 Uhr und 17.15 Uhr statt, manchmal auch um 14.30 Uhr. Dazu kommt h\u00e4ufig noch ein Montagsspiel um 21 Uhr. In Spanien sieht es nicht viel anders aus: Ein Spieltag der Primera Division erstreckt sich von Freitag bis Montag und es finden keine zwei Partien gleichzeitig statt. Sonntags gibt es unter anderem ein 12-Uhr-Spiel. Das mag f\u00fcr den Spanier wegen der Siesta ungewohnt sein, ist aber bestens geeignet f\u00fcr den zahlungskr\u00e4ftigen asiatischen Markt, der so ein Abendspiel bekommt.<\/p>\n<p>von: \u00d6ffentlichkeitsarbeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesliga braucht mehr Geld. Da herrscht Einigkeit. Zumindest unter den teilnehmenden Vereinen. &#8222;Wenn es in England m\u00f6glich ist, so viel Geld zu generieren, muss es in Deutschland auch m\u00f6glich sein. Das ist es derzeit aber nicht. 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