{"id":16644,"date":"2018-11-25T11:00:59","date_gmt":"2018-11-25T09:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/?p=16644"},"modified":"2018-12-01T13:23:11","modified_gmt":"2018-12-01T11:23:11","slug":"advent-besinnlichkeit-ja-guten-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/2018\/advent-besinnlichkeit-ja-guten-morgen\/","title":{"rendered":"Advent &#8211; Besinnlichkeit ? Ja guten Morgen !"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-16648\" src=\"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/005-Besinnlichkeit-468x234-300x150.jpg\" alt=\"\" width=\"472\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/005-Besinnlichkeit-468x234-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.viktoria-preussen.de\/wirsehenuns\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/005-Besinnlichkeit-468x234.jpg 468w\" sizes=\"auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/>Zur Weihnachtszeit sollen wir Ruhe und zu uns selbst finden. Aber wie, wenn der Weg dorthin von Newstickern versperrt wird, von Reklamegeflimmer und Kampfplauderei?<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Advent. Und das dahinten, das muss der Fluchtpunkt sein: Im Irgendwo zwischen Weihnachten und Neujahr angesiedelt. In jenem Niemandsland also, das manche \u201czwischen den Jahren&#8220; nennen und das wir uns leer vorstellen, was es allerdings nicht ist. Und leider nie war; nat\u00fcrliche und politische Katastrophen haben das Zwischenreich beinahe jedes Mal so volllaufen lassen wie alle anderen Intervalle.<\/p>\n<p>F\u00fchlen Sie sich auch \u00fcberanstrengt vom Weltgeschehen? Was da pausenlos auf uns einprasselt, ist schwer auszuhalten und noch schwerer einzusortieren. Sich einen Reim auf etwas zu machen, hei\u00dft ja auch, sich ein wenig zu beruhigen, aber beides will sich nicht recht einstellen.<\/p>\n<p>Nicht, dass der Rest des Lebens ein Spaziergang w\u00e4re. Auch wenn wir in einem Land leben, das bessere Lebensbedingungen aufweist als die meisten anderen, hat dieser Zustand doch seinen Preis. Von nichts kommt nichts. Unsere \u2013 eigentlich willk\u00fcrliche \u2013 Einteilung der Zeit in Jahre legt einen Moment frei, in dem die allgemeine Ersch\u00f6pfung sichtbar wird.<\/p>\n<p>Mag die Politik, von au\u00dfen betrachtet, auch aussehen, als bade sie in Selbstzufriedenheit, so ist doch der deutsche Arbeitsalltag eine einzige Anspannung, eine Ver\u00e4nderungsspannung, da bleibt kein Stein auf dem anderen. Dieser Alltag ist auch nicht etwa eingebettet in Flaum und Schaum, vielmehr zerren selbst dann, wenn wir nicht gerade Geld verdienen m\u00fcssen, immer neue Anforderungen an uns, Rollenkonflikte, Anspr\u00fcche, auch Bed\u00fcrfnisse. Wir k\u00f6nnen, also m\u00fcssen ohne Unterlass eine Wahl treffen, uns zwischen Angeboten und Optionen entscheiden, zwischen Pflichten, Chancen, Sachen, Personen. Freiheit erzeugt Stress.<\/p>\n<p>Das g\u00e4ngige Gerede um immer neue Generationen, die definiert werden m\u00fcssen, die Generation X, Y oder Z, kann auch als Versuch gelesen werden, die sozialen Rollen in dieser Optionsgesellschaft zu definieren. Damit man endlich einmal \u00dcberblick bekommt.<\/p>\n<p>Insofern also: Die Deutschen haben es mitnichten gem\u00fctlich. Sogar der hergebrachte Advents-, Weihnachts- und Silvesterritus mit seinem Normalstress ist nicht mehr der gleiche wie zuvor, wir sollen und wollen jetzt \u00f6kologisch anst\u00e4ndig einkaufen, feiern und essen, wollen keine Konsumtrottel sein, aber auch nicht unaufmerksam zu unseren Lieben, ja \u00fcberhaupt alles richtig machen.<\/p>\n<p>Und da kommen einige mit \u201cBesinnlichkeit&#8220;. Ja guten Morgen, wie sollen wir denn besinnlich sein, wenn unser Gehirn ein \u201cverr\u00fcckter Affe&#8220; geworden ist, wie die Buddhisten sagen? Wie bitte sollen wir zu uns selbst finden, wenn der Weg dorthin von Nachrichten, Newstickern und Sondersendungen versperrt wird, von Reklamegeflimmer und Kampfplauderei? Wobei es nicht die Informationsflut ist, die uns stresst, sondern der unausgesetzte Zwang, sich zu alledem zu verhalten.<\/p>\n<p>Um den Zw\u00e4ngen zu entkommen, k\u00f6nnte man sich vielleicht noch ins Koma fallen lassen, was an dieser Stelle nicht empfohlen werden soll; eine andere Flucht ist die auf Dauer gestellte Ironie, diese Witzigkeitswelle, wie sie uns entgegen Twittert.<\/p>\n<h3>Sonst nichts?<\/h3>\n<p>Vielleicht: den Stier bei den H\u00f6rnern nehmen. Ganz bewusst eines der belastenden Probleme heraussuchen, und \u2013 zum Beispiel \u2013 ein dazu passendes Buch lesen. Konzentriert. Von mir aus das <em>Grundgesetz,<\/em> interessante Lekt\u00fcre \u00fcbrigens, gern auch die <em>Bibel,<\/em> Ionescos <em>Kahle S\u00e4ngerin,<\/em> den <em>Lear<\/em> oder was sonst mit unseren Zeiten zusammenklingt. Etwas also, das wir nicht trotz sondern gerade wegen der Assoziationen lesen, die sich einstellen.<\/p>\n<p>Es sind erregte Zeiten. Die Erregungen zu ordnen, das geht nicht ohne Methode. Ich wei\u00df jedenfalls jetzt, welche ich zwischen den Jahren anwenden werde. Und Sie?<\/p>\n<p>Und so w\u00fcnsche ich jetzt allen, die den Advent genie\u00dfen k\u00f6nnen eine sch\u00f6ne Zeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: ZEIT ONLINE<br \/>\nvon: Gero von Randow<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Weihnachtszeit sollen wir Ruhe und zu uns selbst finden. 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